Windmarkt

Weiter hohe Ausbauzahlen

Foto: Patrick Pleul/dpa

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Im Landkreis Oder-Spree nahe Jacobsdorf in Brandenburg wird eine Windenergieanlage errichtet.

Michael Hahn, 27.07.17
Die Windenergie in Deutschland bleibt erfolgreich. Einer Erhebung zufolge war der Ausbau im ersten Halbjahr 2017 erneut stark. Das könnte sich jedoch spätestens 2019 ändern.

2017 wurden deutschlandweit im ersten Halbjahr 790 Windenergieanlagen (WEA) an Land mit einer Gesamtleistung von 2281 Megawatt (MW) zugebaut. Das geht aus der neuesten Analyse des Beratungsunternehmens Deutsche Windguard im Auftrag des Bundesverbands WindEnergie (BWE) und des Maschinenbauverbands VDMA hervor die heute (27. Juli) in Berlin vorgestellt wurde. Demnach liegt der Leistungszubau um elf Prozent höher als im gleichen Zeitraum im Vorjahr (726 WEA, 2053 MW). Insgesamt drehten sich der Analyse zufolge Ende Juni 27.914 Windräder mit einer Gesamtleistung von 48.024 MW in der Bundesrepublik.

Der BWE sprach von einem stabilen Zubau, der auf einem hohen Bestand an Genehmigungen basiere, die bis Ende 2016 erteilt worden seien. Im Mai 2017 seien im Anlagenregister der Bundesnetzagentur noch 6885 MW gemeldet gewesen, die bis Ende 2018 die Regelungen des alten EEG in Anspruch nehmen können, allerdings mit kontinuierlich sinkender Vergütung. „Seit vier Jahren ist der deutsche Markt der starke Leitmarkt für die Windbranche“, sagte Hermann Albers, Präsident des BWE. Insgesamt seien trotz des starken Zubaus die Strompreise weitgehend stabil geblieben. Deutschland sei durch seinen innovationsstarken Heimatmarkt in vielen Bereichen Weltmarktführer. Die Politik dürfe die Entwicklung jedoch nicht bremsen, so Albers mit Blick auf die neuen Rahmenbedingungen im Ausschreibungssystem.

Hersteller verzeichnen weniger Aufträge

Für das zweite Halbjahr rechnet der BWE mit ähnlich guten Ausbauzahlen. Andreas von Bobart, stellvertretender Vorsitzender von VDMA Power Systems, der Energietechnik-Sparte im VDMA, bezeichnete 2018 als Übergangsjahr. Wenn die nächsten beiden Ausschreibungsrunden abermals von Projekten ohne Genehmigung nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz dominiert würden, wie bei der ersten Runde der Fall, müsste nach der Übergangsphase jedoch mit einem deutlichen Einbruch der Ausbauzahlen gerechnet werden.

„2019 ist das Jahr der Wahrheit für die Hersteller von Windenergieanlagen“, sagte von Bobart, der auch Geschäftsführer beim Anlagenbauer GE Wind Energy ist. Schon jetzt würden die Hersteller Auftragsrückgänge verzeichnen. Der Manager rechnet dadurch auch mit einem Personalabbau. Deshalb müsse sehr schnell dauerhaft festgeschrieben werden, dass nur genehmigte Windprojekte einen Bauzuschlag erhalten. Die Bundesregierung plant zunächst, nur für die ersten beiden Ausschreibungsrunden 2018 eine Genehmigung vorauszusetzen. „Außerdem müssen nicht realisierte Volumen erneut zur Ausschreibung kommen, um auf dem Ausbaupfad zu bleiben“, so von Bobart.

Auch für den Offshore-Bereich hat die Deutsche Windguard die Ausbauzahlen für die ersten sechs Monate 2017 ermittelt. Demnach wurden 108 Offshore-Anlagen mit einer Gesamtleistung von 626 MW errichtet (2016: 43 WEA, 258 MW). Die Halbjahresproduktion aller Windparks auf See betrug 8285 Gigawattstunden (GWh). Zum Vergleich: Im gesamten letzten Jahr lag der Wert bei 12.365 GWh.

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