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Power-to-X

Ökosprit aus aller Welt

Joachim Wille, 16.12.19
Die Bundesrepublik will mit einem Sekretariat helfen, die globale Produktion von synthetischen Kraftstoffen aus Ökostrom zu koordinieren. Dabei auf Importe zu setzen, ist jedoch umstritten.

„Power-to-X“ heißt das neue Zauberwort. Mit dem Begriff werden Technologien zur Herstellung synthetischer Kraft- und Brennstoffe sowie von chemischen Grundstoffen aus Ökostrom zusammengefasst. Eine Option ist, dass der „Öko-Sprit“ künftig auch in großem Stil importiert wird – aus Ländern mit hohem Potenzial für Solar- und Windstrom, also zum Beispiel aus dem Nahen Osten oder Nordafrika. Die Bundesregierung macht nun einen Anlauf, die internationale Zusammenarbeit in diesem Sektor auszubauen – mit der Gründung eines  „Power-to-X-Sekretariats“ in Berlin.

Das Projekt wurde vorige Woche auf der Madrider Klimakonferenz von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) vorgestellt. Das Sekretariat wird zusammen mit der bundeseigenen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eingerichtet. Es soll die Plattform für ein künftiges internationales Power-to-X-Netzwerk bilden und an bestehende Pilotprojekte in Marokko, Südafrika und Chile anknüpfen.

Kritik vom Umweltverband

Schulze betonte, die Herstellung von Wasserstoff mit Ökostrom und dessen Umwandlung in synthetische Kraft-, Brenn- und Grundstoffe sei eine „Zukunftsindustrie“, und die Herstellung von grünem Wasserstoff werde „ohnehin global erfolgen“. Ziel der neuen Initiative sei es daher unter anderem, den weltweiten Wissensaustausch zu verbessern, die Klimaschutzpotenziale der neuen Produkte zu bestimmen und Nachhaltigkeitsstandards für deren Produktion gemeinsam zu entwickeln. Auch um den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten und Finanzierungskonzepte soll es gehen.

Unumstritten ist das Projekt nicht. Der Energieexperte des Umweltverbands BUND, Oliver Powalla, warnte:Anstatt auf den Import von Wasserstoff zu setzen, muss grüner Wasserstoff mit erneuerbaren Energien in Deutschland produziert werden.“ Es könne nicht sein, dass der Ausbau von Windenergie in der Bundesrepublik heruntergefahren wird und Wasserstoff aus afrikanischen oder lateinamerikanischen Ländern importiert werden soll. Deutschland dürfen keine für die dortige Energiewende kostbaren Flächen und Wasserressourcen in anderen Ländern nutzen, während hierzulande Gesetze den Ausbau der erneuerbaren Energien zum Stillstand brächten.

Marokko sieht Export-Chance

In Deutschland steht bisher bei weitem nicht genügend Ökostrom zu Verfügung, um neben der herkömmlichen Stromnutzung große Mengen synthetische Kraftstoffe zu produzieren. Bisher stammen erst gut 40 Prozent der verbrauchten Elektrizität aus erneuerbaren Quellen. Innerhalb Deutschlands wird bisher vor allen an die Nutzung von „Überschussstrom“ gedacht, der anfällt, wenn viel Windkraft produziert wird, aber die Netze bereits ausgelastet sind. Damit lassen sich aber keine großen Mengen an Ökosprit produzieren, zumal die Herstellung durch die Umwandlungsprozesse sehr verlustreich ist.

Forscher verschiedener Institute haben unlängst in einer gemeinsamen Studie davor gewarnt, allzu große Hoffnungen in Power-to-X zu setzen. Die Technologie werde zwar gebraucht, das heutige Verkehrs- und Heizsystem mit seinen hohen Verbräuchen lasse sich damit aber nicht versorgen. Es müsse deutlich effizienter und sparsamer werden.

Eine Chance für sonnenreiche Länder könnte Power-to-X wohl trotzdem sein. In Madrid machte das der marokkanischen Energie- und Umweltminister Aziz Rebah deutlich. „Die armen Länder haben nicht von der Agrarrevolution profitiert, nicht von der industriellen Revolution und nicht von der digitalen Revolution. Ich hoffe, dass die ärmeren Länder von dieser Energierevolution profitieren werden“, sagte er bei der Vorstellung des Power-to-X-Sekretariats. Marokko habe schließlich ein großes Potenzial für Solar- und Windstrom, dessen Energie über synthetische Kraftstoffe auch exportiert werden könne.

 

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