Verkehr

Teurer Saft aus der Ladesäule

Joachim Wille, 25.07.18
Strom für Elektroautos kostet oft mehr als der für die Steckdose zuhause. Zudem hat jeder Anbieter sein eigenes Tarifsystem, der Ökostrom-Anbieter Lichtblick beklagt derweil „neue Monopole“.

Eine Million Elektroautos wollte die Bundesregierung bis 2020 auf die Straße bringen, doch es werden wohl nur rund 200.000 werden. Die E-Pkw kosten noch immer zu viel, die Reichweite ist bei fast allen Modellen sehr begrenzt – und es gibt zu wenige Ladesäulen. Weiteres Problem: Der Strom, der dort gezapft werden kann, ist oft sehr teuer, und zunehmend bilden sich in dem Sektor neue regionale Anbietermonopole. Das zeigt der „Ladesäulencheck“ des Hamburger Ökostromanbieters Lichtblick und des Marktforschungsinstituts Statista.

Bundesweit existieren derzeit rund 5000 öffentlich zugängliche Ladesäulen mit meist je zwei Anschlüssen; zum Vergleich: Es gibt etwa 14.500 normale Tankstellen für Benzin und Diesel. Für den Stromtank-Service kassiert die Mehrzahl der in dem Test untersuchten Betreiber kräftig ab – sieben von elf Anbieten berechnen zum Teil deutlich mehr, als normale Stromkunden für Haushaltsstrom bezahlen müssen, der im Schnitt 24,4 Cent kostet.

Der Stromkonzern EnBW verlangt laut dem Check zum Beispiel umgerechnet 54,5 Cent pro Kilowattstunde, bei den Stadtwerken München sind es 46,7 Cent und bei Allego in Berlin 44,3 Cent. Der Tarif von Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie (29,5 Cent) liegt in der Nähe des Haushaltsstrompreises, preiswert ist das Laden bei der Frankfurter Mainova mit 13,3 Cent. Grundlage dieser Berechnung waren jeweils die Kosten für eine Batterieaufladung für 100 Kilometer mit einem BMW i3 an einem Elf-Kilowatt-Anschluss, wobei die Ladedauer gut eineinhalb Stunden beträgt. Es gibt allerdings auch kostenloses Stromtanken – nämlich bei den Stadtwerken Leipzig sowie der Rhein-Energie in Köln und Umgebung. Für den Check wurden nur Tarife ohne Vertragsbindung berücksichtigt.

Mal SMS, mal Ladekarte

Problematisch ist, dass jeder Anbieter laut der Studie sein eigenes Tarifsystem hat. Deutschlands größter Ladesäulen-Betreiber Innogy verlangt pauschal 7,95 Euro pro Ladevorgang respektive 39 Cent pro Kilowattstunde. EnBW rechnet zeitbasiert ab, hier kostet eine Stunde Laden für einen BMW i3 sechs Euro. Stromnetz Hamburg/Hamburg Energie rechnet nur pro Kilowattstunde ab. Zusätzlich kompliziert wird das Laden durch die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen. Nutzer müssen sich entweder per SMS, App oder Ladekarte anmelden, anderswo geht es nur mit Vorabregistrierung auf der Internetseite des Anbieters. Roaming-Anbieter wie „Plugsurfing“ oder „The New Motion“ bringen hier zwar eine Erleichterung, weil sie E-Auto-Fahrern einen flächendeckenden Zugang für jeweils rund 10.000 Ladepunkte ermöglichen. Den einheitlichen Strompreis bringt das jedoch nicht, er variiert weiter nach dem Betreiber der Ladesäule.

Bei der Analyse der lokalen Märkte zeigte sich, dass dort zunehmend regionale Monopole entstehen. Der Oldenburger Stromversorger EWE zum Beispiel betreibe rund 90 Prozent der rund 500 öffentlichen Ladesäulen im eigenen Netzgebiet der Weser-Elbe-Region, heißt es in der Studie. In München, wo die Stadtwerke Stromnetzbetreiber sind, sei der Anteil mit 88 Prozent ähnlich hoch. Gero Lücking von der Lichtblick-Geschäftsführung kritisierte: „Die örtlichen Stromnetzbetreiber und Grundversorger nutzen ihre Vormachtstellung im Strommarkt, um über das Ladenetz ein weiteres Monopol zu etablieren und den Wettbewerb zu unterlaufen.“ Lücking fordert hier einen radikalen Schnitt: „Kunden sollten mit einer Ladekarte ihren Haushaltsstrom-Tarif an jeder Ladesäule tanken können.“

 

Kommentare (5)

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  • 25.07.18 - 17:22, Erhard Renz

    Die Überschrift müsste heißen:

    "Laden kann man kostenlos!"

    Denn teuer kann man auch tanken aber kostenlos gibt es an keiner Tankstelle Sprit.

    Mit dem schlecht schreiben der E-Mobiliät ist keinem geholfen. Wer sich die Zeit nimmt kann kostenlosen Strom bekommen. Bei einer längeren Reise ist dies sicherlich nicht möglich, aber um seinen Wohnort kann das ein oder andere mal die kostenlos Ladepunkte genutzt werden.

  • 03.08.18 - 16:40, Albert Hartl

    Was haltet Ihr von folgender Idee?
    Die Kommune oder der Bundesstaat oder die Bundesregierung legen Förderprogrammein für Gaststätten, Hotels, Einkaufsmärkte, Geschäfte zum installieren von Ladepunkten auf. Wenn die Lademöglichkeiten in privater Regie betrieben werden, hat das den Vorteil, dass 1.) die öffentliche Hand nicht weiter mit Folgekosten belastet ist 2.) das Angebot mit dem Bedarf mitwächst (ohne aufwändige zentrale Analysen), 3.) Die oben genannten Unternehmer ein Werbeargument haben, dass sie die Ladepunkte haben und 4.) Installationskosten, Betriebskosten, Stromkosten usw. der Kalkulation der oben genannten privaten Unternehmer unterliegen. Diese legen allerdings die Kosten auf Ihre Kunden um - entweder direkt durch Abrechnung oder pauschal an alle Kunden. Damit entwickelt sich eine wirtschaftliche Dynamik - weitgehend ohne Planwirtschaft.

  • 03.08.18 - 16:48, Albert Hartl

    ... und unter Vermeidung von Monopolen

  • 03.08.18 - 19:09, Peter Pflaum

    Das wäre m.M. Nach der richtige Weg. Dort parke ich auch "kostenlos" und warum nicht dabei Strom tanken? Ich würde dabei sogar freiwillig bezahlen um dann an der Kasse einen Anteil als Gutschrift zu erhalten. Ähnlich wie Toiletten Nutzung an Autobahn Raststätte.

  • 05.09.18 - 00:41, Reinhard Patzke

    den knall hat wohl noch niemand gehört. wir machen die fehler, die wir keinen, weil nicht der klimaschutz an vorderster stelle steht, nein, wir haben ja durchaus freude uns mit dem thema zu beschäftigen und geben uns der hoffnung hin: einer wird es schon richten. unser klimaschutz hat doch nur alibifunktion, aufwachen! wir können die naturgesetze nicht ausschalten. wir ernten, was wir säen. warum bekommt der homo sapiens diese logik nicht in sein gehirn? wollen wir die mobilität abschaffen oder sie für uns zum nutzen gestalten? die beschriebenen unterschiede in der preisgestaltung für e-automobile, heißt doch nicht anders, als das wir für dieses problematik nicht reif sind. - ärgert euch und machts besser.

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