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Earth Overshoot Day

Seit heute lebt Deutschland auf Kredit

Foto: Peter Schatz/picture-alliance

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Autobahnkreuz und Mülldeponie bei Frankfurt

Margit Hildebrandt, 03.05.19
In diesem Jahr fällt der Erdüberlastungstag hierzulande auf den 3. Mai. Würden alle Menschen so viele Ressourcen verbrauchen und Emissionen erzeugen wie die Deutschen, bräuchten wir eigentlich drei Erden.

2019 ist noch nicht zur Hälfte rum und doch haben wir bereits verbraucht, was die Erde uns für das gesamte Jahr zu bieten hätte. Den heutigen 3. Mai hat das Global Footprint Network als Erdüberlastungstag für Deutschland berechnet. Das internationale Netzwerk von Forschern unterschiedlicher Disziplinen legt jährlich den weltweiten Earth Overshoot Day fest, den Tag also, an dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die der Planet in einem Jahr produzieren kann. Für die einzelnen Länder sind die Überlastungstage unterschiedlich, je nachdem, wie intensiv dort der Ressourcenverbrauch ist. In Deutschland wird der ökologische Fußabdruck gemeinsam mit der Umweltschutzorganisation Germanwatch berechnet.

Würden alle Menschen so leben wie die Deutschen, bräuchte es demnach drei Erden. Zurückzuführen ist das auf die hohen Treibhausgasemissionen durch die Energieversorgung und den Verkehr, auch der hohe Flächenbedarf der Landwirtschaft hinterlässt Spuren. Entwicklungsländer haben einen geringeren Verbrauch und drücken den Durchschnittswert. Daher wird der globale Welterschöpfungstag erst einige Monate später erreicht, im letzten Jahr lag er am 1. August. Der erste Earth Overshoot Day 1987 war noch am 19. Dezember. Verbrauch und Regeneration von Ressourcen halten sich weltweit immer weniger die Waage.

Übernutzung mit Konsequenzen

In die Berechnungen gehen zwei Größen ein. Zum einen der Verbrauch an Flächen, Wäldern, Wasser oder Energie und dabei entstehende Verschmutzungen, wie durch den Ausstoß von Treibhausgasen. Dem gegenübergestellt wird zum anderen die biologische Kapazität, die der Planet zur Aufnahme von Abfällen oder Emissionen hat – die Nachfrage gegen das Angebot an natürlichen Ressourcen also. In Deutschland leben wir demnach ab jetzt für den Rest des Jahres auf Pump.

„Da wir nur eine Erde haben, führt diese Übernutzung zu einer fortschreitenden Verschlechterung der Böden und Waldqualität und zu einer hochriskanten Klimakrise. Wir sind Teil eines gefährlichen Schneeballsystems: Wir nehmen Ressourcen der Zukunft, um die heutige Wirtschaft zu füttern“, sagt Mathis Wackernagel, einer der Gründer des Global Footprint Networks. Die Konsequenz dieses Ungleichgewichts: die Biodiversität geht zurück, die Meere werden leer gefischt, fruchtbare Böden erodieren und trocknen aus.

 

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