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Fossile Energien

Norwegen plant CO2-Speicher für 1,5 Milliarden Euro

Foto: Wolfgang Runge/dpa/picture-alliance

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Unbeliebte Technologie, zumindest in Deutschland: 2011 protestierten Umweltschützer in Nordfriesland gegen das CCS-Verfahren.

Joachim Wille, 02.10.20
Im Erdölland Norwegen soll das Treibhausgas CO2 in alten Erdgasfeldern gelagert werden. Auch das deutsche Wirtschaftsministerium versucht, das sogenannte CCS-Verfahren wieder ins Spiel zu bringen.

Das Treibhausgas CO2 aus Kraftwerken und Industrieprozessen nicht in die Atmosphäre zu pusten, sondern „klimaneutral“ unterirdisch einzulagern – diese Idee ist nicht neu. Sie ist wegen hoher Kosten und teils auch Widerständen in der Bevölkerung bisher nur in Test- und Pilotanlagen genutzt worden. Die norwegische Regierung allerdings will das so genannte CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage, Kohlenstoff-Abscheidung und Lagerung) nun in großem Stil nutzen. Sie will dafür 1,5 Milliarden Euro investieren.

Die Pläne sehen vor, zuerst eine Zementfabrik im Süden des Landes, eine Tochter des Konzerns Heidelberg Cement, mit der CO2-Abscheidung auszurüsten. Später soll auch eine Müllverbrennungsanlage in Oslo hinzukommen. Das verflüssigte CO2 wird laut Konzept dann zu einem Empfangsterminal an der Südwest-Küste bei Øygarden gebracht und von dort durch eine 120 Kilometer lange Pipeline in ein leergefördertes Erdgasfeld mehr als 2800 Meter unter dem Meeresboden gepumpt. Betrieben wird dieser Teil des „Longship“ genannten Projekts von den Ölkonzernen Equinor, Shell und Total. Die Gesamtkosten sollen sich inklusive zehn Jahre Betrieb auf 2,3 Milliarden Euro belaufen.

Regierungschefin: Paris-Ziele nur mit CCS

Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte, die Pariser Klimaziele könnten nur mit der CCS-Technologie zu vertretbaren Kosten erreicht werden. Das norwegische Vorgehen könne ein Modell für viele andere Länder sein, die CCS ebenfalls nutzen möchten. Longship sei „das größte Klimaprojekt in der norwegischen Industrie aller Zeiten“, ergänzte Energieministerin Tina Bru. Es werde dazu beitragen, die Kosten der Technologie zu senken. Das Erdölland Norwegen hat sich verpflichtet, die inländischen CO2-Emissionen bis 2030 um 50 bis 55 Prozent zu senken.

Die CO2-Speicherung wird in einigen Ländern bereits genutzt, mit kleineren Projekten in norwegischen Gasfeldern oder auch in Kanada an einem Kohlekraftwerk in der Region Saskatchewan. Teilweise wird sie auch eingesetzt, um durch CO2-Injektion die Ausbeute von Erdgas-Feldern zu erhöhen. In Deutschland wurde die Technologie in einer Testanlage in Ketzin in der Nähe von Berlin erprobt. Pläne für CCS gab es unter anderem auch in Schleswig-Holstein, wo dies aber auf heftige Proteste traf. Die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung rückte 2012 davon ab, ein Gesetz machte weitere CCS-Projekte in Deutschland praktisch unmöglich.

Das Umweltbundesamt urteilte 2018, „nach Kenntnisstand“ sei „die Anwendung von CCS nicht erforderlich, um die Klimaschutzziele in Deutschland zu erfüllen“. Das  Bundeswirtschaftsministerium brachte die Technologie unlängst aber wieder ins Spiel – und zwar im Zusammenhang mit der Wasserstoff-Strategie. Hierbei geht es darum, Industrieprozesse und teilweise auch den Verkehr auf Wasserstoff beziehungsweise synthetische Öko-Kraftstoffe umzustellen. Die Idee war, norwegische Gasfelder zur Speicherung von CO2 zu nutzen, das bei der Herstellung von so genanntem blauen Wasserstoff aus Erdgas anfällt. Inzwischen wird im Konzept des Bundes aber der „grüne“ Wasserstoff favorisiert, der mit Ökostrom hergestellt wird.  

 

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