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Europäische Umweltagentur

Klimawandel gefährdet Europas Wirtschaft

Isaac Bah, 27.01.17
Zum vierten Mal hat die Europäische Umweltagentur einen Bericht über die Folgen des Klimawandels in den Staaten Europas vorgelegt. Wie die aktuelle Fassung zeigt, haben Extremwetterereignisse seit 1980 wirtschaftliche Kosten von mehr als 400 Milliarden Euro verursacht.

Seit 2004 veröffentlicht die Europäische Umweltagentur (EUA) im Vierjahresturnus Berichte über die Auswirkungen des Klimawandels auf Ökosysteme, Wirtschaft sowie Gesundheit und Wohlergehen der Menschen in Europa. Als Einflussfaktoren hat die EUA unter anderem den globalen Temperatur- und Meeresspiegelanstieg, Veränderungen an Niederschlagsmustern, sowie das Schmelzen von Gletschern untersucht. Im Zuge der Veränderungen haben auch in Europa die Häufigkeit und Intensität klimabedingter Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Starkregen, Stürmen und Dürreperioden zugenommen.

Der in dieser Woche erschienene EUA-Monitoring-Report „Climate change, impacts and vulnerability in Europe 2016“ lenkt den Fokus auf Einbußen bei der Wirtschaftsleistung infolge des Klimawandels. Demnach haben in den Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums klimabedingte Extremwetterereignisse seit 1980 wirtschaftliche Schäden in Höhe von mehr als 400 Milliarden Euro verursacht. Dabei haben die EUA-Forscher einen klaren Trend ausgemacht: Lagen die jährlichen Kosten in den 1980er-Jahren im Schnitt bei 7,6 Milliarden Euro, sind sie in den 2000er-Jahren bereits auf 13,7 Milliarden Euro jährlich angewachsen.

Die Dunkelziffer dürfte sogar noch deutlich höher liegen. Wie die Autoren der Studie einräumen, beziehen sich die vorliegenden Zahlen meist auf Sachschäden. Indirekte Klimawandelkosten im Gesundheitsbereich oder für den Erhalt von Ökosystemen würden jedoch vernachlässigt, heißt es in dem Bericht. Daher seien die wirtschaftlichen Kosten als Schätzungen im unteren Bereich des Kostenspektrums zu verstehen.

Deutschland erster im Schadensranking

Umgerechnet auf die einzelnen europäischen Staaten nimmt Deutschland im untersuchten Zeitraum 1980 bis 2013 mit 79 Milliarden Euro die Spitzenposition im Schadensranking ein. Auf den Plätzen zwei bis fünf folgen Italien (60 Milliarden Euro), Frankreich (53 Milliarden), Großbritannien (46 Milliarden) und Spanien (33 Milliarden). Für die Zukunft prognostiziert die EUA, dass insbesondere die Staaten im Süden und Südosten Europas stark wachsende wirtschaftlicher Verluste infolge des Klimawandels verkraften müssen, da dort mit den meisten negativen Auswirkungen zu rechnen sei.

Zudem identifiziert der Bericht Küsten‑ und Überflutungsgebiete in Europas westlichen Regionen als künftige „Hotspots“. Steigende Meeresspiegel sowie eine mögliche Zunahme von Sturmfluten ließen auch hier die Gefährdungspotenziale wachsen, argumentieren die Studienautoren. Bedroht seien weiterhin marine Ökosysteme, für die der Klimawandel infolge der Versauerung und zunehmenden Erwärmung der Meere und der Ausweitung sauerstoffarmer „Totzonen“ gravierende Veränderungen mit sich bringe. Letztlich ist der Klimawandel aber ohnehin ein globales Phänomen: Durch Auswirkungen auf Handel und Infrastruktur, geopolitische und Sicherheitsrisiken sowie Migration sei ganz Europa auch von den Folgen betroffen, die außerhalb des Kontinents eintreten.

 

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