Klimabilanz 2021

Deutschland heizt wieder stärker ein

Joachim Wille, 15.03.22
Die deutschen Treibhausgas-Emissionen sind 2021 nach der zwischenzeitlichen Pandemie-Delle deutlich gestiegen. Die neue Regierung will sie nun zügig und dauerhaft senken. Besonders in zwei Sektoren gibt es Nachholbedarf.

Der Corona-Effekt beim Klimaschutz ist verpufft. Anno 2020 führten die Lockdowns wegen der Pandemie noch dazu, dass Deutschland sein Klimaziel von minus 40 Prozent CO2 im Vergleich zum Basisjahr 1990 erreichte. Doch 2021 ging die Emissionskurve wieder rasant nach oben, wie neue Daten des Umweltbundesamts (Uba) zeigen. Der CO2-Ausstoß stieg um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Reduktion gegenüber 1990 betrug damit nur noch 38,7 Prozent.

Nach den am 15. März vorgelegten Zahlen wurden in der Bundesrepublik 2021 rund 762 Millionen Tonnen Treibhausgase freigesetzt, 33 Millionen Tonnen mehr als 2020. Die im Klimaschutzgesetz festgelegten Sektorenziele haben zwei Bereiche nicht eingehalten, nämlich Verkehr und Gebäude. Im Gebäudesektor erfolgte die Überschreitung sogar schon zum zweiten Mal, sodass dort besonders stark nachgesteuert werden muss. Die Daten sind noch vorläufig, die endgültigen Werte werden erst zu Beginn des kommenden Jahres veröffentlicht.

Wind und Sonne statt russischem Gas

Deutschland strebt bis 2045 Klimaneutralität an, und bereits bis 2030 soll der CO2-Ausstoß um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken. Um das zu schaffen, müssen laut Uba-Chef Dirk Messner die Emissionen ab sofort pro Jahr um sechs Prozent zurückgehen. Messner forderte, es müssten schnell mehr Solar- und Windenergie-Anlagen gebaut und die Gebäudeheizungen auf Wärmepumpen umgestellt werden. Zudem gelte es, die Wärmesanierung der Häuser voranzubringen. „Wir müssen zusammen alle Kraft darauf verwenden, uns unabhängig zu machen von russischer Energie und um unser Klima zu schützen.“

Der Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, Patrick Graichen, verwies auf das Ziel der Ampel-Koalition, einen Turbo beim Ausbau der Öko-Energien einzulegen. „Wir müssen es schaffen, dreimal so viele Kapazitäten wie bisher zu installieren, um den Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung bis 2030 auf 80 Prozent zu steigern“, sagte er. Eine Hängepartie wie in den letzten Jahren dürfe es nicht mehr geben. Der Ukraine-Krieg belege zudem die Notwendigkeit, unabhängiger von russischen Gas-, Öl- und Kohleimporten zu werden. Es müsse darum gehen, „jeden Stolperstein auf dem Weg zu mehr Wind- und Sonnenkraft zügig aus dem Weg zu räumen“. Bei der Finanzierung des Ausbaus müsse aber die soziale Balance gewahrt werden.

Problemfälle Gebäude und Verkehr

Die Umweltorganisation BUND drängte darauf, vor allem die Maßnahmen im den Bereichen Gebäude und Verkehr zu verschärfen. So müsse die Ampel eine umfassende Modernisierung der energetisch schlechtesten Gebäude angehen und die Mobilitätswende einzuläuten – mit weniger Autos und schnellerem Wechsel zu E-Fahrzeugen. Als Sofortmaßnahmen forderte der BUND ein Tempolimit 100 auf Autobahnen, autofreie Sonntage und den Stopp von Kurzstreckenflügen.

Der Thinktank Agora Verkehrswende befand, die Regierung dürfe nicht nur auf Fördermaßnahmen wie die E-Auto-Prämie setzen. Es brauche auch ambitionierte CO2-Flottengrenzwerte für Pkw auf EU-Ebene und eine Reform der Steuern, Abgaben und Subventionen – von Kfz-Steuer und Dieselprivileg bis Pendlerpauschale und Dienstwagenbesteuerung.

 

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