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Klimawandel

Das Wasser steigt und steigt

Margit Hildebrandt, 17.01.19
Zwei neue Studien über die Temperatur der Meere und den Zustand der antarktischen Eisschmelze zeigen: Der Einfluss der Erderwärmung wirkt sich immer drastischer aus. Ein starker Meeresspiegelanstieg wird immer wahrscheinlicher.

Die Antarktis verliert deutlich mehr Eis als bisher bekannt und die Weltmeere erwärmen sich immer schneller. Zu diesen Ergebnissen kommen zwei aktuelle Studien, veröffentlicht in den Fachzeitschriften „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) und „Science“.

Dem ersten Autorenteam um Eric Rignot von der Universität Kalifornien zufolge schmolzen im Zeitraum zwischen 1979 bis 1990 durchschnittlich 40 Milliarden Tonnen Eis in der Antarktis pro Jahr. In jeder folgenden Dekade stieg der jährliche Eisverlust dann deutlich an. Von 2009 bis 2017 habe er mit 252 Milliarden Tonnen bereits mehr als das Sechsfache betragen. Der Prozess schreite durch die Erderwärmung immer weiter fort. Für die Studie wurde anhand von Luftbildern, Satellitendaten und Simulationen die Entwicklung der Eismasse gesondert für verschiedene antarktische Regionen betrachtet.

Dabei kam mit etwa 201 Milliarden Tonnen der Großteil der jüngsten Verluste aus der West-Antarktis und der Antarktischen Halbinsel. Jedoch ist mit rund 51 Milliarden Tonnen wohl auch das Eis im östlichen Teil der Antarktis betroffen, das früher als stabil gegenüber der Erderwärmung galt. Dies konnte zum ersten Mal in einer Untersuchung deutlich gezeigt werden, die Ursache scheinen vor allem wärmere Meeresströmungen zu sein.

Laut den Berechnungen in der PNAS-Studie ließ der Eisverlust den Meeresspiegel seit 1979 um rund 14 Millimeter ansteigen. In der Ost-Antarktis befindet sich bei weitem das meiste Eis. Würde sich die gesamte Menge verflüssigen, hätte das einen Anstieg des Meeresspiegels um enorme 52 Meter zur Folge. Bei einem vollständigen Abschmelzen der West-Antarktis wären es rund 5,20 Meter.

Zerstörte Korallen, schmelzende Pole

Wie das andere, in Science erschienene Papier zeigt, wurde zudem die Erwärmung der Ozeane bislang stark unterschätzt. Wie die chinesisch-amerikanische Forschergruppe um Lijing Cheng von der chinesischen Akademie der Wissenschaften schreibt, werden etwa 93 Prozent der durch menschliche Aktivitäten verursachten atmosphärischen Erwärmung durch die Weltmeere absorbiert.

Die Forscher analysierten vier neuere wissenschaftliche Untersuchungen, basierend auf den Temperaturdaten schwimmender Messroboter. Die Meerestemperaturen werden sich demnach um 40 Prozent schneller erwärmen als noch im jüngsten Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC von 2014 angegeben ist. Bis zum Ende des Jahrhunderts könnten es zusätzliche 0,78 Grad Celsius werden, sollte es nicht gelingen, eine weitere Erwärmung der Atmosphäre zu verhindern.

Das trägt zu stärkeren Regenfällen, der Zerstörung von Korallenriffen, sinkendem Sauerstoffgehalt des Meerwassers, abnehmenden Eisdecken und -kappen in den Polarregionen sowie ebenfalls zu einem Anstieg der Meere bei – die Studie beziffert ihn auf 30 Zentimeter. Ein steigender Meeresspiegel birgt hohe Risiken für Millionen in Küstennähe lebende Menschen und bedroht die dortige Infrastruktur.

Klimaforscher gehen davon aus, dass der Pegelanstieg zum größten Teil auf die Erwärmung der Meere zurückzuführen ist, wodurch sich das Wasser ausdehnt. Für den Rest seien Eisschmelzen in Grönland, der Antarktis und den übrigen Gletschern verantwortlich. Die beiden aktuellen Studien passen in das Bild, dass Wissenschaftler bereits seit Jahren beschreiben. Sie kommen regelmäßig zu dem Schluss: Der Meeresspiegel steigt, und zwar schneller als erwartet.

Kommentare (1)

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  • 18.01.19 - 17:31, Gernot Kloss

    Wissenschaft sollte Wissen schaffen.
    Bedauerlicherweise kennt die Wissenschaft zur Zeit zwar den Ursprung und die Auswirkungen des Klimawandels, leider aber nicht dessen genauen Ablauf. Dabei folgt dieser einfachen physikalischen Naturgesetzen.
    Wenn sich unsere Erde nicht selbst heilen würde, hätten wir schon heute Temperatur-Steigerungen von zwei bis drei oder mehr Grad Celsius. Diese Kräfte der Selbstheilung nehmen aber beständig ab, so dass End-Katastrophen, die erst für das Jahrhundert 2100 prognostiziert wurden, uns bereit in fünfzig, vierzig oder weniger Jahren treffen können.

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