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Windindustrie

Stellenabbau bei Enercon

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Hans-Dieter Kettwig (l.) und Simon-Hermann Wobben (3.v.l.) warnten schon 2016 vor den abzusehenden Folgen des reformierten Erneuerbaren-Energien-Gesetzes.

Michael Hahn, 03.08.18
Die Auftragslage für Windkraftanlagen in Deutschland ist stark rückläufig. Der Hersteller Enercon hat jetzt angekündigt, Zulieferverträge zu reduzieren. Dadurch verlieren über 800 Beschäftigte ihren Job.

Die ohnehin schon angespannte Lage in der deutschen Windindustrie verschärft sich immer mehr. Beim Windenergieanlagenhersteller Enercon sollen über 800 Beschäftigte in Zulieferunternehmen in den kommenden Monaten ihre Jobs verlieren. Betroffen sind Betriebe, die Betontürme aufbauen und deren Segmente herstellen sowie der Bereich Rotorblätter.

„Aufgrund der angespannten Marktsituation in Deutschland ist eine Auslastung unserer Zulieferer im nötigen Umfang nicht mehr möglich. Die Reduzierung von Zuliefererverträgen ist daher unumgänglich“, erklärte Enercon-Geschäftsführer Simon-Hermann Wobben.

Enercon will sich ab dem vierten Quartal 2018 verstärkt auf internationale Märkte ausrichten und Komponenten vor Ort beziehen. Das Unternehmen müsse „auf die Entwicklungen am Heimatmarkt reagieren, wo die Onshore-Windindustrie massiv unter Kostendruck steht, die Aufbauzahlen stark rückläufig sind und damit einhergehend die Aufträge für Enercon in Deutschland zurückgehen“, kommentierte Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig.

Meinhard Geiken, Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall Küste, mahnte „ein koordiniertes Vorgehen für alle betroffenen Unternehmen der Gruppe unter Einbeziehung der Betriebsräte und der IG Metall“ an. Enercon dürfe „nicht versuchen, Entlassungen von hunderten Mitarbeitern und die Schließung von Standorten innerhalb kürzester Zeit durchzuziehen.“

Vorwürfe an Politik

An die Politik gerichtet erklärte Geiken, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier dürfe, „sich nicht länger gegen die im Koalitionsvertrag angekündigten Sonderausschreibungen von vier Gigawatt für Wind sowie den bisher nicht näher spezifizierten ‚Offshore-Windenergiebeitrag‘ sperren.“ Das gefährde „Investitionen, Standorte und Arbeitsplätze in der Windenergiebranche“, so Geiken.

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) kritisierte im Norddeutschen Rundfunk die Bundesregierung. Durch die fehlenden Sonderausschreibungen trage diese eine Mitschuld an der derzeitigen Situation. Die meisten der betroffenen Enercon-Zulieferer haben, ebenso wie der Windradbauer selbst, ihren Sitz in dem Bundesland.

Die Politik der Regierung bringt aber nicht nur Windkraftunternehmen in Bedrängnis, sondern auch die Kommunen, in denen die Firmen ansässig sind. In Aurich, dem Sitz von Enercon, wurde jüngst eine Haushaltssperre verhängt.

Enercon ist nicht als einziger Hersteller betroffen: Auch die Konkurrenten Senvion, Nordex und Siemens Gamesa haben bereits mit Stellenabbau auf den steigenden Kosten- und Wettbewerbsdruck in der Branche reagiert.

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