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Halbjahres-Analyse

Kaum Erholung in Sicht

Foto: picture alliance/ dpa-Zentralbild/ Patrick Pleul

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Margit Hildebrandt, 30.07.20
Der Zubau von Windrädern an Land ist etwa doppelt so hoch wie in den ersten sechs Monaten des Vorjahres. Doch Entwarnung für die Branche bedeutet das nicht, bleiben die Zahlen doch weiterhin niedrig.

Der Ausbau der Onshore-Windenergie kommt in Deutschland weiterhin nicht in Schwung. Das zeigen die Zahlen für das erste Halbjahr 2020, die das Beratungsunternehmen Deutsche Windguard im Auftrag der Bundesverbands WindEnergie (BWE) und des Maschinenbauverbands VDMA Power Systems heute (30.  Juli) vorstellte. Demnach sind bundesweit 178 Anlagen mit zusammen 591 Megawatt (MW) Leistung neu ans Netz gegangen, die meisten davon in Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Niedersachsen.

Weil auch 88 alte Anlagen stillgelegt wurden, liegt die hinzugekommene Netto-Leistung bei 507 Megawatt. Vergleichbare Werte hatte zuvor schon die Fachagentur Windenergie an Land ermittelt. Damit erholt sich der Zubau auf niedrigem Niveau, nachdem er im 1. Halbjahr 2019 auf ein Rekordtief von nur 86 zusätzlichen Anlagen abgesackt war. Für das Gesamtjahr rechnen BWE und VDMA mit einem Plus von mindestens 1500 MW.

Die Zahl der Windenergieanlagen belief sich Ende Juni auf insgesamt 29 546, die zusammen 54 418 Megawatt leisten. Als Hauptgründe für den stockenden Ausbau gelten lange Genehmigungsverfahren, fehlende Flächen für neue Windparks und viele Klagen von Anwohnern. „Wesentliche Hemmnisse für den Ausbau der Windenergie an Land müssen nun endlich aus dem Weg geräumt werden“, erklärte BWE-Präsident Hermann Albers. Die Aufgabenliste des Windgipfels im Wirtschaftsministerium im vergangenen Herbst abzuarbeiten, sei „dringlicher denn je“.

Laut Deutsche Windguard werde mit dem Auslaufen der EEG-Förderung für viele ältere Windräder, die seit mehr als zwei Jahrzehnten betrieben werden, zum Jahresende der wirtschaftliche Druck deutlich steigen. Dadurch könnte der Anlagenrückbau aus ökonomischen Gründen im nächsten Jahr erheblich zunehmen.

BWE und VDMA fordern für die rund 15 000 betroffenen Windräder eine klare auf die Energiewende ausgerichtete Repowering-Strategie, die laut VDMA-Geschäftsführer Matthias Zelinger einen Beitrag dazu leisten müsse, „die Förderkosten zu minimieren, Flächen effizient zu nutzen und Akzeptanz zu sichern“. Der Austausch von alten Windenergieanlagen müsse durch Anlagen nach dem aktuellen Stand der Technik, mit stärkerer Leistung, größerem Rotor und höheren Türmen erfolgen.

„Da an Repowering-Projekte die gleichen Anforderungen gestellt werden wie an Neubauprojekte, müssen Bund, Länder und Behörden dazu vor allem Genehmigungsverfahren beschleunigen“, sagte Zelinger. Weitere Forderungen der Branchenverbände an die Gesetzgeber lauten, Power Purchase Agreements (PPA) zu erleichtern und die Definition von Eigenstromerzeugung neu zu fassen.

Kommentare (1)

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  • 12.08.20 - 10:14, Kurt Werner

    Der weitere Ausbau von Windkraft und PV ist eine zentrale Säule zum Erreichen der Klimaziele. Hier ist die Politik gefordert um den Zubau wieder auf die erforderliche Größenordnung zu bringen.
    Sicher können WKA nicht überall gebaut werden. Von daher ist es wichtig potentziell geeignete Flächen nicht grundsätzlich auszuschließen.
    Sicher gibt es auch Widerstand, Falls keine Einigung erzielt werden kann muss die erforderliche rechtliche Klärung in angemessener Zeit erfolgen.
    Viele Menschen befürworten aber den weiteren Ausbau der Windkraft. Dafür müssen konventionelle Energieträger Marktanteile abgeben, die sie eigentlich bräuchten um Renditeerwartungen zu erzielen. Hier hat die Politik in der Vergangenheit geschlafen. Eine Planung mit dem erforderlichen Vorlauf wäre hilfreich gewesen. Jetzt wird zwischen den Zwängen von Zubau und Verpflichtung hin und her taktiert.

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