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Klimaschutz

Dax-Konzerne müssen sich mehr anstrengen

Foto: picture alliance / imageBROKER / Michael Weber

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Großer Handelssaal der Frankfurter Wertpapierbörse mit Kurstafel des Dax.

Margit Hildebrandt, 05.12.19
Eine Beratungsfirma hat errechnet, um wieviel Grad sich die Erde erwärmen würde, wenn die CO2-Emissionen der größten deutschen Unternehmen der Maßstab wären. Selbst deren Minderungsziele liegen teils oberhalb der vereinbarten Grenzen.

Die bisherigen Bemühungen der größten deutschen Konzerne beim Klimaschutz werden nicht ausreichen, um das 2015 in Paris vereinbarte Ziel einzuhalten, die Erwärmung der Erde auf deutlich unter zwei und möglichst 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Das ist das Ergebnis einer Modellstudie der Beratungsfirma „Right. Based on science“ aus Frankfurt. Dafür errechnete sie den Beitrag jedes Konzerns aus dem Deutschen Aktienindex (Dax) zur globalen Erwärmung mithilfe des sogenannten ökonomischen X-Degree-Compatibility-Modells (XDC).

Im Ergebnis spuckt das Modell eine Grad-Zahl aus. Sie gibt an, wie stark sich die Atmosphäre bis zum Jahr 2050 erhitzen würde, wenn alle Firmen weltweit so emissionsintensiv wirtschaften würden, wie das untersuchte Unternehmen. Grundlage sind spezifische Ziele für einzelne Wirtschaftssektoren, die die Internationale Energieagentur (IEA) basierend auf den Pariser Klimazielen berechnet hat. Dafür dürfen insgesamt nur noch 1000 Gigatonnen CO2-Äquivalente in die Atmosphäre gelangen, die IEA hat für jeden Sektor daraus eine Emissionsreduktion abgeleitet. Damit soll berücksichtigt werden, dass nicht in allen Branchen gleich starke Emissionsminderungen möglich sind.

In der Right-Studie werden nun zwei Szenarien betrachtet. Das Basisszenario geht vom Status Quo aus, während im zweiten Szenario jeder Konzern seine selbstgesteckten Klimaziele erreicht. Die Rechnung basiert auf den Konzern-Emissionen in Bezug zu dessen Bruttowertschöpfung, multipliziert mit einem Faktor für die Klimawirksamkeit. Dieser ergibt sich aus wissenschaftlichen Erkenntnissen, welche Temperaturerhöhung durch welche Menge an ausgestoßenen Klimagasen zustande kommt.

Die größte Lücke klafft bei RWE

Im Durchschnitt ergibt sich für die 30 größten börsennotierten Konzerne Deutschlands, dass sie das Klima um 4,94 °C erwärmen, sollten sie ein Busines as usual verfolgen und nichts ändern. Sieben Konzerne würden es schaffen, das Sektorenziel auch ohne weitere Maßnahmen zu erreichen, dazu gehören SAP, Deutsche Börse und Infineon (siehe Grafik unten). RWE, Heidelberg Cement und Eon dagegen gehören zwar zu Branchen, die gemäß der Modellrechnung deutlich mehr zur Temperaturerhöhung beitragen dürfen als andere Firmen. Trotzdem liegen ihre Emissionen auch mit geplanten Klimamaßnahmen oberhalb der zulässigen Werte. Würden alle Firmen der Welt so viel CO2 ausstoßen wie RWE derzeit, würde die Durchschnittstemperatur bis 2050 um 13,82 Grad ansteigen. Mit den aktuellen Konzernzielen wären es immer noch 7,88 Grad, während die IEA 5,17 Grad in diesem Fall als erlaubte Höchstgrenze ansetzt, um gesamtgesellschaftlich unter 1,5 bis zwei Grad zu bleiben.

Bei RWE ist die Lücke am größten, der Energieriese ist jedoch nicht allein: Bei zwei Dritteln der Konzerne werden die offiziell geplanten Maßnahmen nicht ausreichen, um die Erderwärmung auf 1,75 Grad zu begrenzen, den Mittelwert der Paris-Ziele. Nur in neun Fällen werden die Maßgaben der IEA eingehalten.  Gut schneiden mit ihren Maßnahmen die Allianz (1,5 Grad), die Deutsche Telekom (1,52 Grad) und SAP (1,38 Grad) ab. Fünf Unternehmen haben keine Klimaziele formuliert: Adidas, Vonovia, Wirecard, Fresenius und Fresenius Medical Care (FMC). Die beiden letzteren erreichen aber unabhängig davon ihre Sektorenziele. Die Deutsche Post und Beiersdorf liegen zwar über der Zwei-Grad-Marke, aber noch unter den sektorenspezifischen Grenzen.

Die Beratungsfirma Right will Unternehmen bei der Umsetzung firmeneigener Klimaziele unterstützen und bietet auf ihrer Internetseite ein Berechnungstool an, um den jeweiligen Beitrag zur Erderwärmung zu errechnen. Nötig sind dafür wirtschaftliche Daten sowie der CO2-Ausstoß.

(Daten: Right. Based on science; Grafik: neue energie)

 

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