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Jahresbilanz

Windausbau erreicht neuen Tiefstand

Foto:  Winfried Rothermel/dpa

Foto: Winfried Rothermel/dpa

Windkraftanlagen stehen wie auf einer Insel mitten im Nebelmeer im Schwarzwald.

Michael Hahn, 28.01.20
Der Bau von Windenergieanlagen ist im letzten Jahr erneut stark eingebrochen. Branchenvertreter warnen vor Arbeitsplatzverlusten und Lücken bei der Versorgung mit Ökostrom.

Der Ausbau der Windenergie an Land ist 2019 im zweiten Jahr in Folge deutlich eingebrochen. Insgesamt wurden in Deutschland 325 Anlagen mit einer Leistung von 1078 Megawatt (MW) neu aufgestellt, wie der Bundesverband WindEnergie (BWE) und der Maschinenbauverband VDMA Power Systems heute (28. Januar) in Berlin mitteilten. Im vergangenen Sommer hatten die Verbände noch mit einem Zubau von 1500 MW gerechnet. Beim schlussendlichen Wert handele es sich um einen „historischen Tiefstand“ und den niedrigsten Wert seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000.

Gegenüber 2018 ist der Ausbau um mehr als die Hälfte (55 Prozent) gesunken. Bereits 2018 wurden 55 Prozent weniger Anlagen gebaut als im bisherigen Rekordjahr 2017 (5300 MW). Der Netto-Ausbau für 2019 liegt mit 981 MW sogar noch niedriger, da 82 Anlagen (97 MW) abgebaut wurden.

Mit Blick auf die Klimaziele der Bundesregierung warnten BWE und VDMA vor einer Ökostromlücke. Der Bedarf an erneuerbaren Energien steige durch Unternehmen, die klimaneutral produzieren wollten, sowie durch die Sektorenkopplung und die Produktion von Wasserstoff. Die Bundesregierung müsse deshalb die Ausbaupfade anheben. Für das 65-Prozent-Ziel für erneuerbare Energien bis 2030 sei ein Zubau von rund 5000 MW pro Jahr erforderlich.

Entspannung bei Genehmigungen

Deshalb müsse auf eine pauschale Abstandsregel, wie sie in der Bundesregierung diskutiert wird, verzichtet und stattdessen mehr Flächen und Genehmigungen ermöglicht werden. Bei letzteren war in 2019 eine leichte Entspannung zu verzeichnen. Gegenüber 2017 gab es ein Plus von 48 Prozent an neuen Genehmigungen, im Vergleich zu 2018 waren es 29 Prozent. Das reiche jedoch nicht, um die Ausschreibungsziele für 2020 zu erfüllen. Der Großteil der letzten Auktionsrunden war unterzeichnet.

„Um die Ausschreibungsvolumina mit Projekten zu füllen sowie die Ausbau- und Klimaschutzziele zu erreichen, müssen die identifizierten und seit langem bekannten Genehmigungshemmnisse schnellstmöglich beseitigt und mehr Flächen für Windenergieanlagen ausgewiesen werden. Hierfür braucht es noch im Frühjahr eine Übereinkunft zwischen Bund und Ländern“, sagte BWE-Präsident Hermann Albers. „Neue Hürden wie pauschale Abstandsregeln würden die Lage verschärfen und zu einem Verlust von circa 40 Prozent der potenziellen Windflächen in Deutschland führen.“

Matthias Zelinger, Geschäftsführer von VDMA Power Systems, warnte davor, dass Deutschland ohne den Heimatmarkt die Technologieführerschaft in der Windenergie verlieren könnte. „Die Windindustrie musste bereits mit drastischen Beschäftigungsrückgängen auf die abnehmende Produktion für den Heimatmarkt reagieren. Sollte der Markt auf diesem Niveau stagnieren, drohen allein durch den Wegfall der Nachfrage aus Deutschland weitere 25 Prozent der Beschäftigten wegzubrechen“.

Leichte Entspannung für 2020 erwartet

Für 2020 erwarten BWE und VDMA neue Anlagen mit einer Kapazität von 1400 bis 1800 MW. „Eine Trendumkehr in diesem oder im nächsten Jahr gelingt jedoch nur, wenn die Bundesregierung die Genehmigungshemmnisse konsequent und schnell abbaut und neue Hindernisse vermeidet“, erklärten die Verbände.

Wie üblich wurden einige Tage vor den Onshore-Werten auch die Ausbauzahlen der Offshore-Windenergie bekanntgegeben. Demnach speisten 2019 auf See 160 Windräder mit einer Leistung von 1111 MW erstmalig Strom ins Netz ein. Insgesamt waren damit zum Jahresende 1469 Anlagen mit einer Leistung von 7516 MW in Betrieb.

Laut EEG soll das Offshore-Volumen bis 2030 auf 15 Gigawatt (GW) ausgebaut werden, also knapp das Doppelte der bisherigen Kapazität. Branchenvertreter fordern zur Erreichung der Klimaziele dagegen eine Anhebung auf 20 GW bis 2030 und 30 bis 35 GW bis 2035.

 

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