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Kosten der Stromerzeugung

Wendepunkt in Sicht

In Marokko ging 2014 einer der größten Windparks Afrikas ans Netz. „Tarfaya" hat eine Gesamtleistung von 301 Megawatt.

Joachim Wille, 11.01.17
Die globale Energiewende läuft – und zwar immer schneller. Ermutige Zahlen dazu finden sich in einem Report, den das Welt-Wirtschafts-Forum jüngst vorgestellt hat. Danach ist Strom aus Windkraft- und Solaranlagen weltweit bereits in über 30 Ländern genauso günstig wie der aus neuen Kohle-, Erdgas- oder Atomkraftwerken – oder sogar billiger.

Die erneuerbaren Energien hätten damit einen „Wendepunkt“ erreicht, argumentiert die Stiftung, die kommende Woche ihr jährliches, einflussreiches Treffen von Managern und Politikern im schweizerischen Davos veranstaltet. Der Kampf gegen den Klimawandel könne nun ein profitables Geschäftsmodell für Energieunternehmen werden.

Tatsächlich sind die Kosten für Öko-Elektrizität besonders im letzten Jahrzehnt schneller gesunken als erwartet. Nach Zahlen des US-Energieministeriums fielen seit 2009 die Kosten für Windstrom um 40 Prozent und die für große Photovoltaik-Anlagen gar um 60 Prozent. Zu den Ländern, in denen erneuerbare Energien nun billiger als fossile sind, zählen zum Beispiel Marokko, Dubai oder Chile. Die Experten erwarten, dass Photovoltaik in weniger als einem Jahrzehnt überall die Erzeugungsart mit den geringsten Kosten sein wird.

Bei Wind ist derzeit Marokko der Spitzenreiter, der Gastgeber des letztjährigen UN-Klimagipfels. Dort hat ein Windpark-Projekt einen Zuschlag bekommen, bei dem der Strom mit umgerechnet nur 2,8 Eurocent pro Kilowattstunde vergütet wird. Das entspricht etwa der Hälfte der Kosten von Kohlestrom. Bei der Solarenergie liegen Länder wie Dubai, die Vereinigten Arabischen Emirate und Chile vorn. Dort werden derzeit Solarkraftwerke gebaut, deren Strom ebenfalls weniger als drei Cent kostet. Welche Revolution das tatsächlich bedeutet, zeigt ein Vergleich mit der Situation bei der Einführung des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) anno 2000. Damals erhielten Investoren, die Solaranlagen bauten, rund 50 Eurocent pro Kilowattstunde.

Es fehlt ein angemessener CO2-Preis

Und der Ökostrom wird noch billiger werden. Experten der Agentur Bloomberg schätzen, dass jede Verdopplung der installierten Anlagenkapazität eine Senkung der Windkraft-Kosten um ein Fünftel und der Solarstrom-Kosten um ein Viertel bringt. Das hat vor allem zwei Ursachen: die Stromausbeute steigt dank technisch verbesserter Windräder und Solarzellen, zudem werden die Komponenten in Großfabriken effizienter hergestellt. Sogar die aufwändige Offshore-Windkraft wird langsam konkurrenzfähig. So baut der dänische Energiekonzern Dong vor der holländischen Küste einen Windpark, dessen Strom mit noch knapp 7,3 Eurocent pro Kilowattstunde vergütet wird.

Dank der Kostendegression wird global inzwischen mehr Geld in Ökostrom-Anlagen investiert als in konventionelle Kraftwerke. Leuchtendes Beispiel ist China, das jüngst angekündigt hat, die Investitionen in erneuerbare Energien bis 2020 auf rund 340 Milliarden US-Dollar hochzuschrauben – das ist mehr als die 286 Milliarden Dollar, die allen Staaten der Erde zusammen 2015 in dem Sektor investierten.

Doch obwohl der Trend also in die richtige Richtung läuft, sehen die Davos-Experten sich gezwungen, Wasser in den Öko-Wein zu schütten: Um den Klimawandel beherrschbar zu halten, reiche das längst noch nicht aus. Investoren bräuchten zusätzliche Signale, um komplett auf klimafreundliche Technologien zusteigen – darunter eine angemessene Bepreisung des Treibhausgases CO2.

Link zur Studie des Welt-Wirtschafts-Forums

 

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