Erneuerbaren-Zubau

Weltweiter Windkraftausbau sinkt – trotz Europarekord

Isaac Bah, 16.02.18
53 Gigawatt an neuer Windenergieleistung in 2017 bedeuten das drittbeste Zubaujahr aller Zeiten. Dennoch ist in den Zahlen ein deutlicher Abwärtstrend erkennbar, der sich in den kommenden Jahren fortzusetzen droht.

Das vierte Jahr in Folge hat der globale Windenergiezubau die 50-Gigawattmarke geknackt. Laut statistischer Auswertung des internationalen Branchenverbands Global Wind Energy Council (GWEC) lag der Zubau zum Jahresende 2017 bei rund 53 Gigawatt (GW). Damit hat die kumulierte global installierte Windenergieleistung erstmals 500 GW überschritten und liegt nunmehr bei 540 GW.

Nach dem Rekordzubau von rund 64 GW im Jahr 2015 setzte sich allerdings der im vergangenen Jahr begonnene Abwärtstrend bei den Neuinstallationen fort. Dagegen blickt der europäische Markt nach einem Zubau von rund 12,5 GW Onshore- und 3,2 GW Offshore-Leistung, ein Plus von 20 Prozent gegenüber 2016, auf ein Rekordausbaujahr zurück.

Die deutschen Zubauergebnisse hatte der Bundesverband WindEnergie bereits im Januar vorgelegt. Demnach gingen Onshore-Anlagen mit einer Leistung von 5,3 GW ans Netz. Zusammen mit rund 1,3 GW Neuinstallationen im Offshore-Segment bedeutete das Ergebnis einen nationalen Ausbaurekord. Die Rekorde purzelten auch in anderen europäischen Ländern. Laut Analyse des europäischen Branchenverbands WindEurope stellten neben Deutschland auch Großbritannien (4,3 GW), Frankreich (1,7 GW), Belgien (476 Megawatt (MW)), Irland (426 MW) und Kroatien (147 MW) neue Bestmarken auf.

Verunsicherung in Europa

Als stärkster Markt im globalen Vergleich erwies sich erneut China mit 19,5 GW an neuen Anlagen, allerdings lag dieses Ergebnis rund vier Gigawatt unter dem Vorjahreswert. Die USA landeten mit rund sieben GW deutlich hinter China auf Rang zwei, den drittstärksten Zubau verzeichnete Deutschland.

Dennoch können die Rekorde nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung in der Branche innerhalb Europas eher gedrückt ist. Experten gehen für 2018 von einem rückläufigen Zubau aus. Mit Blick auf die in vielen Ländern eingeführten Ausschreibungsverfahren könnten die damit verbundenen Unsicherheiten in den kommenden Jahren zu einer Verringerung der Investitionen in die Windenergie führen, so die Einschätzung.

Wind-Europe-Geschäftsführer Giles Dickson brachte das Dilemma auf den Punkt: „Das Rekordjahr spiegelt die Tatsache wider, dass viele neue Projekte in trockene Tücher gebracht wurden, um noch von Einspeisetarifen und anderen älteren Fördermechanismen zu profitieren, solange sie noch galten.“ Trotz der starken Zahlen sei der mittel- und langfristige Ausblick für Windenergie aber unsicher. „Von vielen Regierungen vermissen wir Klarheit, was ihre Erneuerbaren-Ambitionen für die Zeit nach 2020 angeht. Die Länder müssen klarstellen, wie viel Windenergie sie in Zukunft einsetzen wollen“, so Dickson.

Photovoltaik kratzt an der 100-Gigawatt-Marke

Insgesamt dürfte das Jahr 2017 dennoch als ausgesprochen gutes Jahr in die Erneuerbaren-Annalen eingehen. Nicht nur die Windbranche legte starke Zahlen vor, auch die Solarindustrie erreichte neue Höhen.

Laut vorläufigen Analysen des Brancheninformationsdiensts Bloomberg New Energy Finance verfehlte der globale Photovoltaik-Zubau mit 98 GW nur knapp die 100-Gigawatt-Marke. Biomasse und kleine Wasserkraftwerke verzeichneten Neuinstallationen von jeweils rund drei GW, geothermische Kraftwerke von 0,7 GW. Insgesamt gingen damit erneuerbare Energiequellen mit einer Leistung von rund 160 GW ans Netz.

Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Neben erneuerbaren Energien ist auch der Einsatz von Kohlekraft weiter auf Wachstumskurs. Laut einer Studie vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (Pik) und dem Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) steigt die Zahl der Kohlekraftwerke weltweit weiter an.

 

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