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Kraft-Wärme-Kopplung

„Unternehmen sollten prüfen, ob sie noch passende Projekte in der Schublade haben“

Foto: Jörg Frank

Foto: Jörg Frank

Interview: Michael Hahn, 24.08.18
Bei der zweiten Ausschreibung für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) haben alle Gebote einen Zuschlag erhalten. Drei Fragen an Julius Ecke, Prokurist beim Beratungsbüro Enervis Energy Advisors.

neue energie: Wie bewerten sie die Situation bei den KWK-Ausschreibungen?

Julius Ecke: Die erste Ausschreibung war in einem Umfang überzeichnet, den vorher im Markt kaum einer erwartet hatte. Nun gab es eine leichte Unterdeckung. Dabei ist die Ausschreibung für viele Anlagen durchaus wirtschaftlich. Das erkennt man etwa daran, dass die niedrigen Gebote regelmäßig deutlich unter den Höchstgeboten liegen – ein Indikator dafür, dass es Anlagen gibt, die mit drei statt mit fünf Cent pro Kilowattstunde gut auskommen.

ne: Woran lag die Unterzeichnung dann?

Ecke: Einerseits kennen sich Marktakteure wie Stadtwerke mit der Thematik der Ausschreibung noch nicht gut genug aus, sie sind gehemmt von der Komplexität und den Risiken. Denn in dieser Form gab es die Auktionen bisher erst zweimal. Außerdem wurden für einige Projekte, die in der ersten Runde nicht zum Zug gekommen sind, in der Zwischenzeit andere Erlösquellen gesucht. Beispielsweise wurden Anlagen auf mehr als 50 MW aufgestockt und fallen damit nicht mehr unter die Ausschreibungen. Oder sie werden stattdessen für die Eigenversorgung in der Industrie eingesetzt.

ne: Was erwarten Sie für die nächste Auktion am 1. Dezember?

Ecke: Der rückläufige Wettbewerb und die leicht steigenden Preise der letzten Auktion lassen die Teilnahme als lukrativ erscheinen. Es gibt gute Chancen auf einen Zuschlag und einen guten Preis. Daher sollten die Unternehmen überprüfen, ob sie noch passende Projekte in der Schublade haben oder kurzfristig neue auf die Beine stellen können. Allein durch den gestiegenen Preis könnten viele Projekte jetzt wirtschaftlich sein. Außerdem besteht die Chance, dass die Preise noch weiter steigen. Gebotsstrategisch ergibt sich eine sehr interessante Situation. Da die letzte Auktion leicht unterdeckt war, war es theoretisch möglich, dass jede eingereichte Anlage, egal mit welchem Gebot, einen Zuschlag erhalten hätte – zumindest bis zur Obergrenze von sieben Cent. Aus heutiger Sicht wäre solch eine Situation auch bei der nächsten Auktion nicht unmöglich. Hier sollte man im Vorfeld der Auktion, wenn die Marktlage besser einzuschätzen ist, eine geeignete Gebotsstrategie bestimmen.


Zum Hintergrund:

In der bislang zweiten Ausschreibung für Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen (KWK) haben im Juni 14 Gebote mit einem Umfang von 91 Megawatt (MW) einen Zuschlag erhalten. Wie die Bundesnetzagentur weiter mitteilte, lag das höchste Gebot bei 5,2 und das niedrigste bei 2,99 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Daraus ergibt sich ein durchschnittlicher Zuschlagswert von 4,31 Cent je kWh. Ein Projekt wurde wegen formaler Fehler abgelehnt, alle anderen eingereichten Projekte waren erfolgreich. Die Auktion war unterzeichnet: Insgesamt waren rund 93 MW ausgeschrieben. Zu den 75 MW, die regulär für diese Runde vorgesehen waren, wurden 18 MW aus der Ausschreibungsrunde vom Dezember 2017 addiert. Diese war zwar im Gegensatz zur aktuellen Runde mit 20 Geboten im Umfang von 225 MW auf ausgelobte 100 MW stark überzeichnet. Einen positiven Bescheid erhielten jedoch nur 82 MW, weil das Projekt, das als nächstes für einen Zuschlag an der Reihe gewesen wäre, aufgrund seiner Größe das ausgeschriebene Volumen deutlich überschritten hätte. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag in Runde eins bei rund vier Cent, der Preis ist also mit dem jüngsten Durchgang wieder gestiegen.

 

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