Interview zur aktuellen Titelstory

„Mittelständler sind ganz klar unsere Hauptkunden“

Interview: Jörg-Rainer Zimmermann, 02.02.17
…erklärt Jan Strohschein vom Erneuerbaren-Jobportal eejobs.de. Die offiziellen Arbeitsmarktzahlen seien mit Vorsicht zu genießen.

neue energie: Wie entwickelt sich aus Ihrer Sicht aktuell der Stellenmarkt im Erneuerbaren-Bereich?

Jan Strohschein: Wir sehen eigentlich nur im Bereich der Windenergie einen einigermaßen stabilen Trend. Im Jahr 2016 waren auf unserem Jobportal eejobs.de rund 70 Prozent der Stellenanzeigen der Windenergie zuzuordnen. Solar- und Bioenergie bewegen sich nach wie vor auf einem niedrigen Niveau, jeweils zwischen zwei und vier Prozent. Das deckt sich auch damit, wie sich diese Bereiche insgesamt am Markt entwickelt haben. Die Entwicklung anderer Marktsegmente, so etwa Gebäudeeffizienz, Stromnetze oder E-Mobilität, bildet sich auch über Stellenanzeigen ab, ist aber auch noch verhalten. Einschränken muss ich diese Aussagen natürlich insofern, als wir mit unserer Jobbörse nicht den kompletten Jobmarkt der erneuerbaren Energien in Deutschland abdecken.

neue energie: Sie sprechen von der Windenergie als einem stabilen Bereich. Eine Analyse des Bundeswirtschaftsministeriums zeigt auf, dass es auch im Onshore-Wind-Bereich eine rückläufige Entwicklung gegeben hat …

Strohschein: Stellenanzeigen sind ja auch nur ein Indiz und spiegeln nicht den Gesamtmarkt wieder. Es gibt einzelne Unternehmen, die expandieren und Mitarbeiter einstellen, viele Anzeigen schalten. Das kann den Eindruck vermitteln, dass sich ein bestimmtes Marktsegment stark entwickelt, obwohl das gar nicht der Fall ist.

neue energie: Welchen Anteil haben Mittelständler unter Ihren Inserenten?

Strohschein: Mittelständler sind ganz klar unsere Hauptkundengruppe. Spannend ist auch der Bereich der Start-Ups, es wird viel ausprobiert, offensichtlich gibt es auch viele Menschen, die ein innovatives Unternehmen als Arbeitgeber bevorzugen. Die ganz großen Konzerne fallen bei uns kaum ins Gewicht.

neue energie: Welchen Anteil haben Stellen für Akademiker bei Ihren Anzeigen?

Strohschein: Ich würde sagen, der Anteil beträgt zwischen 80 und 90 Prozent.

neue energie: Wie schätzen Sie die offiziell vorliegenden Analysen zum Erneuerbaren-Arbeitsmarkt in Deutschland ein? Sind die Zahlen transparent?

Strohschein: Es gibt unterschiedliche Akteure, die Analysen anfertigen, einmal das Bundeswirtschaftsministerium, aber auch das Umweltbundesamt. Die Zahlen sind aber bekanntlich mit Vorsicht zu genießen, es werden ja nicht die real vorhandenen Stellen gezählt. Vielmehr schätzt man die Entwicklung des Stellenmarkts über Investitions- und Exportvolumina. Auch das Statistische Bundesamt liefert diese Auswertung nicht. Dort wird nach wie vor der Bereich der Öl- und Gasgewinnung betrachtet, aber eben nicht der Erneuerbaren-Sektor. Auf der anderen Seite wären da vielleicht noch die Marktführer unter den Job-Börsen, die tatsächlich über sämtliche Branchen hinweg eine Querschnittsanalyse durchführen könnten. Die machen sich aber nicht diese Mühe. Insofern sind Aussagen zur quantitativen Entwicklung nach wie vor sehr schwierig. Wenn die Bundesregierung ein echtes politisches Interesse daran hätte, wie sich der Arbeitsmarkt im Erneuerbaren-Bereich entwickelt, dann müsste sie die bestehenden Institutionen, die sich mit der Thematik bereits beschäftigt haben, also etwa das Umweltbundesamt oder den Wissenschaftsladen Bonn, entsprechend beauftragen und mit den nötigen Mitteln ausstatten. Das ist bisher aber nicht geschehen.

neue energie: Warum ändert sich das seit Jahren nicht grundsätzlich? Es wird doch oft genug darauf hingewiesen, dass die Bereiche Klimaschutz und erneuerbare Energien längst wichtige Wirtschaftszweige sind?

Strohschein: Da spielen sicher mehrere Faktoren eine Rolle. Man kann sich leicht vorstellen, dass es einige Akteure gibt, die aktiv kein Interesse an Transparenz haben. Da eine größere Zahl von Verantwortlichen an solch einem Projekt beteiligt wäre, müsste man zugleich eine gewisse Trägheit und Ressortbefindlichkeiten in Ministerien und Behörden überwinden. Insgesamt ein dickes Brett.

Hinweis: Stellen von eejobs.de finden Sie auch auf unserer Internetseite.

Mehr zum Thema lesen Sie in der aktuellen Ausgabe von neue energie.

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