Windenergie-Ausschreibung

Leicht unterzeichnet

Foto: iStockphoto

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Jürgen Lessat, 16.06.21
Die Bundesnetzagentur hat am 14. Juni die Ergebnisse der jüngsten Auktionsrunde für Onshore-Windenergieanlagen veröffentlicht. Erstmals hatte die Behörde das Auktionsvolumen vorab gesenkt, trotzdem wurden weniger Megawatt vergeben als vorgesehen.

Laut der Netzagentur wurden zum Gebotstermin am 1. Mai insgesamt 137 Gebote mit einem Volumen von 1161 Megawatt (MW) eingereicht. 127 Gebote mit einem Gebotsvolumen von zusammen 1110 MW wurden bezuschlagt. Die jüngste Ausschreibungsrunde blieb damit geringfügig unterzeichnet, obwohl die Bundesnetzagentur erstmals das ursprüngliche Ausschreibungsvolumen von 1500 MW auf 1.243 MW reduziert hatte. Die Behörde hatte aufgrund schleppender Genehmigungsentwicklung seit der vorangegangenen Ausschreibungsrunde Anfang Februar eine Unterzeichnung erwartet.

Der mengengewichtet durchschnittliche Zuschlagswert lag in der aktuellen Runde bei 5,91 Cent je Kilowattstunde (ct/kWh). Eine Vergütung von 6,00 ct/kWh markierte den Höchstwert, der niedrigste noch bezuschlagte Wert war 5,61 ct/kWh. Beim ersten Gebotsverfahren in diesem Jahr hatte der durchschnittliche Zuschlagswert noch den Höchstwert von 6,00 ct/kWh erreicht. Der niedrigste noch bezuschlagte Wert lag bei 5,15 ct/kWh. Damals waren lediglich 89 Gebote mit einem Gebotsumfang von 691 Megawatt bezuschlagt worden.

In der aktuellen Ausschreibungsrunde spiegelt sich erneut ein starkes Nord-Süd-Gefälle bei den Zuschlägen für Windenergieanlagen wider. Regional betrachtet ging das größte Zuschlagsvolumen an Gebote für Standorte in Schleswig-Holstein (37 Zuschläge, 295 MW), Niedersachsen (23 Zuschläge, 263 MW), Brandenburg (14 Zuschläge, 123 MW) und Nordrhein-Westfalen (19 Zuschläge, 122 MW). Dagegen entfielen nur jeweils vier Zuschläge auf Standorte in Hessen und Rheinland-Pfalz. Fünf Zuschläge gingen an Projekte in den Südländern, drei davon in Bayern, zwei in Baden-Württemberg.

Einige Projekte nahmen erneut teil

Auffällig in der Mai-Ausschreibungsrunde war, dass auch für bereits im Februar 2018 bezuschlagte Projekte erneut Gebote abgegeben wurden. Demnach bemühten sich Bieter von 43 Anlagen um eine erneute Vergütungszusage. „Das dürfte auch wirtschaftliche Gründe gehabt haben“, vermutet Jürgen Quentin von der Fachagentur Windenergie an Land. Seinerzeit lagen die Zuschlagswerte deutlich niedriger als heute. Beispielhaft erreichte der durchschnittliche Zuschlagswert im Februar 2018 4,73 ct/kWh.

Mit der höheren Vergütungsaussicht amortisiert sich selbst die Pönale einer Vier-MW-Anlage in Höhe von 120.000 Euro, die nach Erlöschen des Zuschlags zu zahlen ist, innerhalb weniger Monate. Dessen ungeachtet sind bislang bereits Zuschläge aus 2018 mit einem Umfang von rund 370 MW erloschen, ohne dass die Anlagen realisiert wurden. „Dieser Wert könnte bis Ende 2021 bis auf 800 MW steigen“, so Quentin. Damit bliebe ein Zuschlagumfang in der Größenordnung von immerhin einer typischen Ausschreibungsrunde ohne Realisierung.  

„Erstmals seit 2017 wurden wieder mehr als 1.000 MW bezuschlagt. Das ist ein wichtiges Signal. Die nur sehr knappe Unterzeichnung zeigt, wie stark sich die Branche um neue Projekte kümmert. Es braucht aber eine stärkere Flankierung aus den Ländern und endlich auch durch den Bund, um die Ausschreibungsvolumen sicher zu füllen. Dabei geht der Blick nicht nur auf die nächste Ausschreibung am 1. September, sondern bereits in das kommende Jahr. Dann werden zusätzliche Mengen ausgeschrieben, die dringend befüllt werden müssen, um die Klima- und Energiewendeziele zu erreichen", kommentiert Hermann Albers, Präsident des Bundesverbands WindEnergie, die Zahlen.

Laut Erneuerbare-Energien-Gesetz beträgt das Ausschreibungsvolumen des Jahres 2021 insgesamt 4500 Megawatt. Ob dieses Kontingent ausgeschöpft wird, ist mehr als fraglich. Bei den beiden bislang durchgeführten Gebotsterminen wurden insgesamt nur 1791 MW bezuschlagt. Zur Erreichung der Pariser und nationalen Klimaschutzziele sind nach Ansicht von Experten jährliche Zubauraten zwischen 6000 und 8000 MW notwendig. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 420 Windenergieanlagen mit einer Leistung von insgesamt 1420 MW errichtet.

 

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