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Modulproduktion

Doch ein Solar-Lichtblick

Foto: Sebastian Kahnert/dpa/picture-alliance

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Qualitätskontrolle bei der Produktion von Solarmodulen im Meyer-Burger-Werk in Freiberg

Joachim Wille, 05.04.24
Ein sächsischer Landrat will die stillgelegte Produktion beim Photovoltaik-Konzern Meyer Burger retten. Und ein Branchenverband hält eine konkurrenzfähige Herstellung in Europa weiterhin für möglich.

Das Aus für die Solarmodul-Produktion des Schweizer Konzerns Meyer Burger im sächsischen Freiberg hat viele Anhänger der Energiewende geschockt. Sie sollte eigentlich der Kern einer neuen führenden deutsche Solarproduktion werden. Doch Politiker wie der Landrat im Landkreis Mittelsachsen, Dirk Neubauer, und Fachleute aus der Branche wollen die Hoffnung nicht aufgeben, dass der Standort Deutschland sich gegen die derzeit übermächtige Konkurrenz aus China behaupten kann. Eine neue Initiative soll sogar die Wiederaufnahme der Produktion in Freiberg möglich machen.

Die Solarfabrik von Meyer Burger war in Freiberg 2021 eröffnet worden. Kurz vor Ostern wurde nun 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gekündigt, wobei rund 100 von ihnen Verträge in anderen Gesellschaften des Unternehmens angeboten wurden. Die Fertigung soll in die USA verlagert werden, wo die Ansiedelung von Solarunternehmen mit großzügigen Steuervorteilen gefördert wird.

Das Schweizer Unternehmen hatte die Zukunft des Standorts Freiberg davon abhängig gemacht, dass die Produktion in Deutschland stärker gefördert wird, um gegenüber der Billigkonkurrenz aus China bestehen zu können. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) allerdings bekräftigte kürzlich seine Absage an den sogenannten Resilienzbonus, der eine erhöhte EEG-Einspeisevergütung für Solarmodule europäischer Hersteller bedeutet hätte und auch von SPD und Grünen in der Berliner Ampel befürwortet worden war.

Solarproduktion in Freiberg steht seit Mitte März still

Meyer Burger reagierte mit den Kündigungen. Die Produktion in Freiberg steht bereits seit Mitte März still. Der Konzern hatte 2023 bei einem Nettoumsatz von 135 Millionen Schweizer Franken einen Verlust von 292 Millionen verbucht, laut seinen Angaben verursacht durch die Marktverzerrung aufgrund der Subventionierung der Solarmodul-Herstellung in China. In den vergangenen vier Geschäftsjahren summierten sich die Verluste auf 525 Millionen Franken.

Für den Wirtschaftsstandort am Fuße des Erzgebirges, der sich rühmt, einen erfolgreichen Strukturwandel von der Bergbau- und Hüttenindustrie hin zum Hochtechnologie-Zentrum bewältigt zu haben (Slogan: „Vom Silber zum Silizium“), bedeutet das einen neuerlichen Rückschlag. Es ist das zweite Mal binnen weniger Jahre, dass dort hochfliegende Pläne für eine Solarproduktion aufgegeben werden – nach der Insolvenz des einstmals führenden deutschen Photovoltaik-Konzerns Solarworld 2018, wodurch in Freiburg 600 Arbeitsplätze wegfielen. Einen Neuanfang versprach da der Einstieg des Konzerns Meyer Burger, der in den Solarworld-Fabrikhallen eine neue Modulproduktion einrichtete, nach eigenen Angaben der größte Betrieb dieser Art in Europa.

Meyer Burger gilt als technologischer Vorreiter der ganzen Branche, die eine zentrale Bedeutung für die Energiewende weltweit hat. Der Konzern, ursprünglich Hersteller von Maschinen für die Uhrenindustrie, war bereits in den 1990er-Jahren in die sich damals entwickelnde Photovoltaik-Technologie eingestiegen. Die von ihm gebauten Produktionsmaschinen für Solarzellen und -module wurden von vielen Solarunternehmen eingesetzt, nicht nur in Europa, sondern auch in China. Deutlich mehr als die Hälfte der weltweit hergestellten Solarmodule gehen auf die von den Schweizern entwickelten Technologien zurück.

Chinesische Billigkonkurrenz setzt europäischen Herstellern zu

Deutschland schien 2021 für Meyer Burger ein guter Standort, um selbst in die Solarzellen- und Solarmodul-Produktion einzusteigen. Der PV-Absatz zog hierzulande wieder an, und dann versprach die neue Ampel-Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag, den Zubau von Solaranlagen neu zu entfesseln. Meyer Burger eröffnete eine Solarzellen-Produktion in Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) und die Solarmodul-Fabrik in Freiberg. In den Folgejahren allerdings setzte die chinesische Billigkonkurrenz Meyer Burger wie anderen Herstellern gewaltig zu, und das Problem eskalierte in diesem Jahr. Im Februar wurde bekannt, dass allein in Hallen im Hafen von Rotterdam eine Menge von Solarmodulen lagern soll, die für ein Jahr Solarausbau in der gesamten EU reicht – rund 140 bis 170 Millionen Module. Meyer-Burger stoppte wegen des einbrechenden Absatzes der eigenen, teureren Module den Ausbau der Zellfertigung in Bitterfeld-Wolfen und kündigte die Verlagerung eines Neubau-Projekts in die USA an. Nun folgte das Aus in Freiberg.

Der parteilose Landrat Neubauer indes versucht nun mit einer neuen Initiative, Meyer Burger die Wiederaufnahme der Produktion in Freiberg zu ermöglichen. Er will bereits kurzfristig mit Partnern aus der Privatwirtschaft dazu eine Projektgesellschaft gründen. Sie soll in dem Landkreis, in dem Freiberg liegt, 1000 Hektar Fläche für kleine und mittelgroße Solarstrom-Projekte finden, um dort Module von Meyer Burger und anderen Herstellern aus der Region mit einer Kapazität von einem Gigawatt zu installieren. Zum Vergleich: Im Jahr 2023 wurden in Deutschland insgesamt rund 14 GW installiert. Es solle das größte Konjunkturprogramm werden, das es in dem Kreis bisher gab, sagte Neubauer, die Sparkassen habe er als Finanzierungspartner gewinnen können.

Details des Projekts sollen bald bekannt gegeben werden. Bei Meyer Burger waren die Reaktionen verhalten positiv. Man begrüße das Neubauer-Projekt, hieß es auf Anfrage dazu. Da noch keine Details und Zeitpläne bekannt seien, könne man sich über eine Wiedereröffnung des Werks allerdings noch nicht äußern. Neubauer zufolge hat Meyer-Burger-Chef Günter Erfurt ihm gegenüber signalisiert, dass das Unternehmen die Produktion in Freiberg wieder anfahren könne. Das Personal jedenfalls wäre noch vorhanden. Ein Teil der Arbeitsverträge der Belegschaft in Freiberg läuft Ende April aus, ein anderer später.

Solarverband wirbt für Selbstverpflichtung des Handels

Neubauer hatte sich nach Meyer Burgers Notbremse sehr enttäuscht darüber gezeigt, dass die Ampel die hiesige Solarbranche nicht besser unterstützt. Gespräche auf EU-Ebene über Hilfen für sie seien gut gelaufen, sagte er, es sei dann aber „in Berlin klebengeblieben“. Es sei die FDP gewesen, „die das Ganze am Ende blockiert hat, die sagt, wir setzen auf den Markt“. Dieses Prinzip befürworte er eigentlich auch. Wenn aber zuvor jemand den Markt manipuliert habe wie in diesem Fall China, sei das falsch.

Der europäische Solarverband EMSC (European Solar Manufacturing Council) warnte unterdessen davor, die Schließung des Meyer-Burger-Werks bereits als Zeichen eines zweiten Exitus der europäischen Solarproduktion zu werten. Die Schweizer hätten das wirtschaftlich Nötige vollzogen, als sich abzeichnete, dass die Bundesregierung nicht bereit war, die Solarmodul-Produktion zu unterstützen, anders als die US-Regierung. Im EMSC sind Photovoltaik-Hersteller, Forschungsinstitute und Maschinenbauer vertreten.

Das Konzept der Resilienzprämie um die Mehrkosten heimischer Produktion abzufedern sei vernünftig, sagte ESMC-Präsident Eicke Weber, scheitere wohl aber aus Geldmangel. Als Alternative brachte er eine freiwillige Selbstverpflichtung der Solaranlagen-Großhändler und -Händler ins Gespräch. Diese sollten einen gewissen Prozentsatz ihrer Verkäufe aus heimischer Produktion anbieten, die Mehrkosten aber auf den gesamten Verkaufsumsatz umlegen. „Dies würde nur zu einer kleinen Steigerung des Verkaufspreises aller Module führen, gleichzeitig aber den Aufbau einer konkurrenzfähigen europäischen Solarindustrie ermöglichen“, meinte Weber. Er erwartet, dass damit bis 2030 eine europäische Solarindustrie mit 30 GW und mehr Produktionskapazität aufgebaut werden kann, die international voll konkurrenzfähig sein würde. Weber war langjähriger Chef des Fraunhofer-Instituts für Solare Energieforschung (Ise) in Freiburg und Professor in Berkeley (USA).

 

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