Arbeitsmarkt-Analyse

Auslaufmodell Braunkohle

Foto: Jan Woitas/dpa/Zentralbild

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Ein Arbeiter der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft vor einem Schaufelradbagger.

Michael Hahn, 06.07.17
Die Bedeutung der Braunkohle als Beschäftigungsfaktor in Deutschland nimmt ab, zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion. Nur noch 20.000 Menschen arbeiten demnach direkt in dem Sektor – und die werden immer älter.

Immer weniger Menschen in Deutschland arbeiten in der Braunkohleindustrie – und 40 Prozent davon sind über 50 Jahre alt. Das geht aus einer Studie des Beratungsunternehmens Arepo Consult im Auftrag der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hervor. Die Partei untermauert damit ihre Wahlkampfforderung nach einem schnellen Kohleausstieg. Denn Befürworter der Kohleverstromung – etwa die brandenburgische Landesregierung – argumentieren immer wieder, dass sie Jobmotor für die strukturschwachen Regionen sei. Die Große Koalition hat deshalb noch kein konkretes Ausstiegsziel, sondern setzt auf eine Kommission, die ab 2018 ermitteln soll, wie ein sozialverträglicher Strukturwandel möglich ist.

Die Grünen-Studie folgert hingegen, „dass der Strukturwandel auch im Braunkohlesektor längst Tatsache ist.“ Dem Papier zufolge bestehen in den deutschen Braunkohletagebauen und -kraftwerken nur noch rund 20.000 direkte Arbeitsplätze. Die Autoren beziehen sich dabei auf Informationen des Braunkohleverbands Debriv, wonach im Rheinischen Revier weniger als 9000, im Mitteldeutschen Revier weniger als 2600 und in der Lausitz in Ostdeutschland weniger als 7900 Menschen arbeiten würden.

Anteil der Braunkohle-Jobs im Promillebereich

Damit liege der Anteil der Braunkohle-Beschäftigten an der gesamten sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung auf Bundesebene und in jedem der betroffenen Bundesländer Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt nur im Promillebereich. Zudem wären 40 Prozent der Kohle-Kumpel schon 2011 über 50 Jahre alt und könnten bis 2021 sozialverträglich in Rente gehen. Daneben würden viele Arbeitsplätze auch ohne aktive Tagebaue erhalten bleiben, etwa durch Rekultivierungsmaßnahmen.

Auch unter Berücksichtigung der indirekt mit der Braunkohle verbundenen Jobs kommt die Studie zu dem Fazit: „Fakt ist: In keinem der beteiligten Bundesländer arbeitet mehr als ein Prozent der Beschäftigten in der Braunkohle, insgesamt sind deutschlandweit maximal zwischen 42.000 und 74.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt betroffen.“ Wie die Grüne Bundestagsfraktion mitteilte, würden in der Erneuerbaren-Branche heute bundesweit 17 Mal mehr Menschen arbeiten als in der Braunkohlewirtschaft. Selbst im noch relativ am stärksten von der Braunkohle geprägten Brandenburg wären über 17.000 Menschen im Bereich erneuerbare Energien beschäftigt – mehr als doppelt so viele wie in der Kohle.

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