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Finanzmarkt

Wie kommen Geld und Klima zusammen?

Foto: Juergen Heinrich/SZ Photo/picturealliance

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Einige Mitglieder des Sustainable-Finance-Beirats bei der Vorstellung des Abschlussberichts (von rechts nach links): der Vorsitzende Karsten Löffler von der Frankfurt School of Finance & Management, Silke Stremlau aus dem Vorstand der Hannoversche Kassen und Michael Schmidt vom Vermögensverwalter Lloyd Fonds.

Margit Hildebrandt, 03.03.21
Der Sustainable-Finance-Beirat der Bundesregierung hat seine Empfehlungen für ein nachhaltiges Finanzsystem vorgelegt. Darunter sind Steueranreize für grüne Fonds und die Offenlegung von Klimarisiken.

Ende Februar hat der Sustainable-Finance-Beirat, der die Bundesregierung in Fragen nachhaltiger Finanzprodukte berät, seinen Abschlussbericht vorgelegt. Im Dokument mit dem Namen „Shifting the trillions. Ein nachhaltiges Finanzsystem für die Große Transformation“ stellt das Expertengremium 31 Handlungsempfehlungen für unterschiedliche Bereiche wie Politikrahmen oder Wissensvermittlung vor. Dadurch solle „sowohl die Nachfrage nach nachhaltigen Finanzmarktprodukten als auch die Vertrautheit mit ihnen erhöht werden“.

Die Empfehlungen seien ein erster Schritt, weitere könnten aus einer „institutionellen Verstetigung“ entstehen, schreiben die Experten. Neue Ideen seien etwa gefragt für eine „konkretere Rückbindung“ öffentlich-rechtlicher Finanzinstitute an das Pariser Klimaabkommen und die UN-Nachhaltigkeitsziele.

Unter anderem schlägt der Beirat vor, die Förderung von Riester-Renten im Zuge einer ohnehin anstehenden Reform an Nachhaltigkeitskriterien zu knüpfen und für nachhaltige Anlageprodukte weniger Steuern zu erheben. Die rechtlichen Vorschriften in Deutschland würden im Vergleich zu anderen europäischen Ländern die Möglichkeit für Privatanlegerinnen, in „wirkungsorientierte Produkte zu investieren, deutlich beschränken“. Die Autoren verweisen auf die Niederlande, wo Geldanlagen in nachhaltige Investmentfonds durch verschiedene Maßnahmen unterstützt werden, die zum Teil schon seit 1995 bestünden. Durch steuerliche Anreize werde die Investition in „Groenfonds“ gefördert und so die Finanzierung von „grünen“ Projekten unterstützt.

Das Ziel: Deutschland soll führend werden

Eine weitere Idee im Bericht lautet, die Pflicht zu Berichterstattung über Nachhaltigkeitsdaten und Klimarisiken auszuweiten, die bislang nur für eine Minderheit vergleichsweise großer Unternehmen gelte. So sollen zum Beispiel Wirtschaftsprüfer besser einschätzen können, wie sich das Unternehmenshandeln auf Klima und Umwelt auswirkt und welche Risiken daraus erwachsen, etwa auch in Form von Klagen.      

Die 38 Mitglieder des Sustainable Finance-Beirats aus Finanzbranche, Realwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft nahmen Mitte 2019 ihre Arbeit auf. Der Beirat soll dabei helfen, Deutschland zu einem führenden nachhaltigen Finanzstandort zu entwickeln. „Dieses Ambitionsniveau der Bundesregierung ist ein deutliches Signal und unterstreicht die zentrale Bedeutung nachhaltiger Finanzstrukturen im Rahmen der notwendigen und grundlegenden Transformation unserer Volkswirtschaft – national und europäisch“, erklärte die stellvertretende Beirats-Vorsitzende Kristina Jeromin, die im Herbst als Bundestagskandidatin der Grünen in Hessen antritt. 

Auch die Klimaorganisation Germanwatch, deren Geschäftsführer Christoph Bals Beiratsmitglied war, lobte den Abschlussbericht. Die Bundesregierung müsse nun „aufzeigen, was noch vor der Wahl in laufenden Gesetzgebungsverfahren verankert werden kann“, so Bals. Ein Schwachpunkt des Berichts seien allerdings die Empfehlungen zur Versicherungsbranche: „Das ist eine der Aufgaben, die noch liegengeblieben sind und bald nachgeholt werden müssen.“

 

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