Anzeige
Corona und Klima

G20 setzen auf die alte Welt

Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance

Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa/picture alliance

Gruppenbild beim letzten G20-Gipfel im japanischen Osaka.

Joachim Wille, 16.07.20
Umweltschützer hoffen, dass die weltweiten Konjunkturhilfen zur Bewältigung der Corona-Rezession auch die Energiewende voranbringen. Eine Untersuchung zeigt jedoch, dass der Club der reichsten Industrie- und Schwellenländer vor allem klimaschädliche Strukturen zementiert.

Die G20-Staaten versuchen wie alle Länder, ihre Ökonomien in Corona-Zeiten zu stabilisieren. Viele Umwelt- und Klimaschützer verbinden damit die Hoffnung, dass die Konjunkturprogramme dieses Clubs der reichsten Industrie- und Schwellenländer der globalen Energiewende durch Konzentration auf Ökoenergien zum Durchbruch verhelfen werden. Doch Fehlanzeige. Eine aktuelle Analyse zeigt, dass sie über die Hälfte der Gelder für den Energiebereich in die fossilen Industrien stecken.

Seit Beginn der Pandemie haben die G20 demnach durch Konjunkturprogramme rund 267 Milliarden US-Dollar (rund 234 Milliarden Euro) in den Energiesektor geleitet. Davon flossen 151 Milliarden in den fossilen Bereich. Weiteren 28 Milliarden gingen an andere Energieformen, die ebenfalls als nicht nachhaltig gelten, darunter Atomkraft und solche Bioenergie, die negative Klimafolgen hat. Nur 89 Milliarden flossen in saubere Energien wie Solar- und Windenergie, das entspricht einem Anteil von nur einem Drittel der Gesamtausgaben. Von den Geldern für fossile Energieträger wurden nur 20 Prozent an Bedingungen zur Erreichung von Klimazielen oder der Reduzierung der Luftverschmutzung geknüpft.

Diese Schieflage widerspricht den Zielen des Pariser Weltklimavertrags. Um das darin angepeilte Erwärmungslimit von 1,5 Grad Celsius gegenüber vorindustrieller Zeit zu erreichen, muss der globale CO2-Ausstoß nach Berechnungen des Weltklimarats IPCC bis 2020 um 45 Prozent sinken. Forscher erwarten, dass die Emissionen 2020 coronabedingt rund fünf Prozent unter denen von 2019 liegen werden. Da die fossilen Energien nun stark gepusht werden, drohen sie 2021 aber wieder anzusteigen.

China und Deutschland investieren eher „grün“

Für die Analyse wurden über 200 Maßnahmen der G20-Staaten zur Corona-Krisenbewältigung analysiert – im Vorfeld des Finanzministertreffens der Gruppe an diesem Wochenende, das per Videokonferenz stattfindet. Vorgelegt wurde die Studie von der Initiative „Energy Policy Tracker“. In ihr arbeiten Forscher von 14 Institutionen – darunter die Columbia University in New York, das Stockholm Environment Institute (SEI) und das kanadische International Institute for Sustainable Development (IISD). Aus Deutschland ist das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) dabei.

Besonders viel Geld in die „Fossilen“ stecken etwa die USA, Kanada, Italien, Indien, Mexiko und Indonesien. Die USA zum Beispiel sind mit rund 58 Milliarden Dollar dabei, China hingegen nur mit vier Milliarden. Deutschland investiert das Energiegeld eher „grün“, 27 Milliarden Dollar fließen in Öko-Energien, knapp 17 Milliarden in fossile, von letzteren macht die Lufthansa-Rettung den größten Anteil aus. Als größte Öko-Investition zählt der Tracker die jüngst von der Bundesregierung aufgelegte Nationale Wasserstoffstrategie, die den Schwerpunkt auf „grünen“, mit Ökostrom produzierten Wasserstoff legt.

EU-Budget mit Schieflage

Obwohl Deutschland in der Bilanz besser dasteht als die G20 insgesamt, gibt es Kritik an der Verteilung des Geldes. „Der grüne Anteil an den bisherigen deutschen Konjunkturmaßnahmen hätte deutlich größer ausfallen und insgesamt konsequenter umgesetzt werden müssen“, kommentiert FÖS-Experte Matthias Runkel. „Wenn wir unsere Klimaziele erreichen wollen, muss das Zeitalter der fossilen Investitionen endlich vorbei sein.“

Der Berliner Thinktank Agora Energiewende monierte unterdessen zu niedrige Klimainvestitionen auch in der EU. Der aktuell diskutierte Plan für den mehrjährigen EU-Haushalt stehe „im Widerspruch zu den Klimaschutzankündigungen von EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen“. Laut der von Agora vorgelegten Analyse sind nur 80 Milliarden des 1,85-Billionen-Euro-Pakets fest für Klimaschutzausgaben vorgesehen. Im optimistischsten Fall könnten weitere 595 Milliarden aus allen  hierfür anzapfbaren Töpfen hinzukommen. Doch selbst dann wäre immer noch weniger als ein Drittel der insgesamt 2,4 Billionen Euro gedeckt, die in den Sektoren Gebäude, Verkehr, Strom und Industrie zum Erreichen der derzeitigen EU-Klimaziele veranschlagt werden.

 

Kommentare (1)

Kommentar verfassen»
  • 16.07.20 - 15:03, Sven Träder

    Wenn man alles, was nicht erneuerbar "Fossil" nennt, dann kommt man auf solche erschreckenden Zahlen, aber das zeigt doch nur, dass die Wirtschaft, die in der Corona-Krise Schaden genommen hat nunmal jetzt und auch in mittelfristiger Zukunft nach Definition des EPT nicht erneuerbar sein wird, obwohl da sehr viele Anstregungen unternommen werden dieses zu ändern.

Kommentar verfassen

Anzeige
Anzeige