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Neues Ziel

London gibt den Klima-Vorreiter

Foto: Photoshot/ picture alliance

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Der britische Premierminister Boris Johnson bei UN-Klimagesprächen im September via Videokonferenz.

Joachim Wille, 09.12.20
Die britische Regierung hebt das CO2-Ziel für 2030 deutlich an. Damit setzt sie kurz vor deren Gipfeltreffen auch die EU-Länder unter Druck.

Ausgerechnet EU-Aussteiger Großbritannien ist nun Vorreiter beim Klimaschutz. Rund eine Woche vor einem virtuellen UN-Gipfel am 12. Dezember zum fünften Jahrestag des Paris-Abkommens hat die Regierung in London jüngst ihre CO2-Ziele verschärft. London setzt damit, trotz des ungelösten Brexit-Streits, auch die EU auf diesem Feld unter Druck. Beim Gipfel der europäischen Regierungschefs am Donnerstag und Freitag dieser Woche soll nämlich ein neues CO2-Minderungsziel der 27 Mitgliedsstaaten für 2030 beschlossen werden. Londons deutlich verschärfter Plan ist hier nun der Maßstab.

Die CO2-Emissionen auf der Insel sollen um 68 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 sinken. Bislang betrug die Marke nur 57 Prozent. Erreicht waren 2019 rund 45 Prozent. Premier Boris Johnson, der den Schritt vorige Woche verkündete, folgt damit der Empfehlung des nationalen „Committee on Climate Change“ (CCC), eines Beratergremiums der Regierung.

Nächster Klimagipfel-Gastgeber

Großbritannien wolle damit nach dem EU-Austritt seine globale Vorreiterrolle im Kampf gegen die Klimaerwärmung unter Beweis stellen, hieß es in einer Regierungsmitteilung. Hintergrund dürfte freilich auch sein, dass die nächste UN-Klimakonferenz im November 2021 im schottischen Glasgow stattfindet und die britische Regierung als Gastgeber mit gutem Beispiel vorangehen will. Der Gipfel hatte ursprünglich in diesem Jahr stattfinden sollen, wurde wegen Corona jedoch verschoben.

Um das neue Ziel zu erreichen, muss London seine konkrete Klimapolitik noch stark nachschärfen. Johnson hat unlängst ein Maßnahmenpaket vorgestellt, darunter ein Verbot des Verkaufs von Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren ab 2030 sowie eine Vervierfachung der Offshore-Windkraft binnen zehn Jahren, allerdings auch der Ausbau der Atomenergie im Land. Freilich ist damit noch nicht einmal das bisherige CO2-Ziel zu erreichen. Die zusätzlichen Maßnahmen, etwa ein schnellerer Hochlauf von Solar- und Windenergie im Stromsektor, eine Umstellung der Heizungen von Erdgas auf Wärmepumpen und eine beschleunigte Abkehr von den Verbrennern im Verkehrssektor seien aber „machbar“, urteilte das Klimakomitee.

EU-Länder noch uneins

Es wird erwartet, dass bei dem virtuellen UN-Klimagipfel weitere Länder neue Klimaziele für 2030 bekannt geben werden, die mit der Vorgabe des Paris-Vertrags von 1,5 bis zwei Grad maximaler globaler Erwärmung kompatibel sind. Bisher entsprechen die von den Regierungen vorgelegten nationalen Ziele nur einem Pfad von drei bis vier Grad. Erwartet wird, dass auch die EU nachlegt. Allerdings unterstützten bisher nicht alle 27 Staaten den Vorschlag der EU-Kommission, den CO2-Ausstoß bis 2030 um mindestens 55 Prozent unter den Wert von 1990 zu senken. Bisher lautet das Ziel minus 40 Prozent.

Deutschland trägt die Verschärfung mit, doch osteuropäische Länder wie Polen und Tschechien, deren Stromversorgung noch sehr stark kohlelastig ist, haben Vorbehalte und fordern mehr finanzielle Hilfe für die Energiewende. Der britische Umwelt-Thinktank E3G kommentiert den Konflikt in der EU so: „Zu versagen, wo Großbritannien erfolgreich war, wäre international extrem peinlich.“

 

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